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Rundschreiben des Vorsitzenden der Bezirksärztekammer Trier vom 10.03.2008 PDF Drucken E-Mail

Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,


zwei Themen von gleich bleibend hoher Aktualität haben in letzter Zeit viel zu kurz Inhalt und Schlagzeilen der Regionalpresse bestimmt. Es sind dies die Pflegequalität und die Sterbehilfe im Nachbarland Luxemburg.


Zum Thema Pflegequalität werden Meckerkästen eingerichtet, aber bis zur Umsetzung, die zu einer Verbesserung der Strukturen führen würde, ist noch ein langer Weg. Wir alle, die wir Alte, Kranke, Schwache und Sterbende betreuen und
begleiten, wissen oft aus täglicher Anschauung, wo es in Heimen und Familien hervorragend läuft und wo es brennt.


Ich selbst nehme inzwischen kein Blatt mehr vor den Mund, wenn im Sommerbetrieb exsiccierte alte Menschen in meine Abteilung müssen, weil sie eine akute, hoch schmerzhafte Speicheldrüsenentzündung haben. Der Entstehungsweg ist immer der gleiche. Man muss die Ursache beim Namen nennen. Es handelt sich um Vernachlässigung.


Wen wundert es, wenn dann im Sinusrhythmus aus lauter Angst davor, selbst einmal betroffen zu sein, die Idee der Sterbehilfe oder besser Euthanasie wieder aufgegriffen wird. Es ist in den Köpfen unserer Patienten nicht mehr die Angst vor
der Apparatemedizin, es ist die Angst davor, allein, verlassen und vernachlässigt zu bleiben.


Das luxemburgische Parlament hat zuletzt Sterbehilfe unter ganz bestimmten Voraussetzungen in den Bereich des Möglichen gerückt. Wir Ärzte in Deutschland  sollten unverrückbar bei der Position vieler Ärztetage zu diesem Thema bleiben und
im Hinblick auf unsere speziellen deutschen historischen Erfahrungen jeglichen Vorstoß in eine solche Richtung ausbremsen.

Wir haben ganz besonders in unserer Region ein hoffnungsvolles Angebot entgegenzusetzen: Eine vorbildlich organisierte palliativmedizinische Versorgung, eine personell und finanziell gut gerüstete Hospizbewegung und letztlich sogar ein
eigenes Hospizhaus sowie zahlreiche Kolleginnen und Kollegen mit hohem persönlichen Engagement. All dies und alle damit verbundenen Menschen sorgen dafür, dass die Angst vorm Sterben zumindest in unserer Region keinen Grund für
Kopflosigkeit bietet. Diese Beruhigung einerseits sollte uns andererseits aber Veranlassung geben, Maximalforderungen für die Verbesserung der Pflege unserer Alten und Kranken im täglichen Dienst nicht zu vergessen!

Dr. med Peter Schwerdtfeger